Vom Scheitel bis zur Sohle: Corporate Wear wird zunehmend zum Modestatement, passgenau abgestimmt auf das Unternehmen und den konkreten Einsatz. Anna Vogt, Designerin bei Sergeant Pepper Corporate Fashion, über beflügelte Kreationen, die Liebe zu versteckten Details und den Trend zur Kollektion.

image kleider - „Corporate Fashion macht Marke“

Corporate Fashion von Sergeant Pepper punktet mit hohem Design und Qualitätsanspruch.

Frau Vogt, 2009 haben Sie mit Ihrem Geschäftspartner Gilles Pascher Sergeant Pepper gegründet. Wie ist das Corporate Fashion Label aufgestellt?

Anna Vogt: Viele denken bei Berufskleidung nach wie vor an etwas langweilig Unförmiges. Unser Ziel ist es, Corporate Fashion modischer zu machen. Ob Messe, Promotion oder Mitarbeiterbekleidung – bei allem, was wir tun, haben wir einen extrem hohen Design- und Qualitätsanspruch und gehen individuell auf die Bedürfnisse unserer Kunden ein. Ihre Unternehmenswerte, Markenbotschaften oder Veranstaltungskonzepte müssen sich in unseren Designs widerspiegeln.

Es heißt, Kleider machen Leute. Was macht Corporate Fashion?

Anna Vogt: Corporate Fashion macht Marke. Sie eignet sich hervorragend als emotionales Werkzeug zum Branding und zur Imagebildung. Hinsichtlich der Funktionalität lassen sich externe und interne Effekte unterscheiden. Nach innen stärkt Kleidung das Wir-Gefühl, demonstriert die Zugehörigkeit zu einem Unternehmen und stärkt nicht zuletzt auch das Selbstbewusstsein der Träger. Nach außen verbessert Corporate Wear den Wiedererkennungseffekt einer Marke und unterstreicht – z.B. durch die Auswahl der Schnitte und Stoffe – das Unternehmensimage.

Wie weit kann man Botschaften oder auch Veranstaltungskonzepte auf Kleidung „herunterbrechen“?

Anna Vogt: Corporate Fashion kann ein sehr deutliches und unmittelbares Kommunikationsmedium sein. Z.B. haben wir für einen Messeauftritt der Telekom die T-Shirts der Mitarbeiter sehr stilvoll, aber dennoch unübersehbar mit der konkreten Aufforderung „How can I help you?“ bedruckt. Ein weiteres, sehr spannendes Projekt war die Ausstattung des Telekom-Messepersonals für den Mobile World Congress 2016 in Barcelona. Mittels LED-Technologie und Print haben wir für das Event eine interaktive Messebekleidung entwickelt, die das Standkonzept „Butterflies & Kites“ perfekt aufgreift. Mit den in die Jacken eingelassenen LEDs haben wir etwa den leichten Flügelschlag des Schmetterlings simuliert, der jedes Mal aktiviert wurde, sobald zwei Mitarbeiter am Stand aufeinandertrafen. Das war ein sehr aufmerksamkeitsstarker und integrierter Auftritt.

Wie unterscheidet sich Corporate Fashion von herkömmlicher Bekleidung?

Anna Vogt: Bei der Mitarbeiterbekleidung spielen die technischen Daten des Materials eine viel wichtigere Rolle. Die Kleidung wird oftmals von morgens bis abends sieben Tage die Woche getragen. Entsprechend muss das Material geringe Pillingwerte aufweisen und sehr strapazierfähig sein. Bekleidung, die in der Gastronomie eingesetzt wird, muss sich bei 90° waschen lassen, Jacken für Promotioneinsätze müssen nicht nur wasserabweisend, sondern wasserdicht sein, und Anzüge sollten unbedingt atmungsaktiv sein. Knitterfreiheit, Hautfreundlichkeit und Bequemlichkeit sind weitere entscheidende Eigenschaften. Persönlich haben wir unser Ziel erreicht, wenn sich die Mitarbeiter beim Tragen von Corporate Wear nicht verkleidet fühlen, sondern – im Gegenteil – die Kollektionen sogar privat tragen. Das ist übrigens ein ganz klarer Trend: Corporate Fashion wird immer öfter im Alltag getragen. Der Grund liegt auf der Hand: Die Designs sind zeitgemäß, das Material von überragender Qualität.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit Unternehmen konkret ab?

Anna Vogt: Wir bieten unseren Kunden zwei verschiedene Varianten an. Bei der ersten stehen Schnelligkeit und die kurzfristige Verfügbarkeit im Vordergrund. Dafür halten wir eine eigene Sergeant Pepper-Kollektion bereit, die zahlreiche Kleidungsstücke beinhaltet, die untereinander kombinierbar sind und in der jeweils gewünschten Pantonefarbe produziert werden können. Bei der zweiten Variante entwickeln wir für den Kunden etwas ganz Individuelles. Hier geht es nach dem Briefing in die Konzeptphase mit Moodboard, Materialauswahl und Erstmustern. Dann folgt die Testphase, und anschließend geht es in die Produktion. Ein ganz wichtiger Aspekt für gute Corporate Wear ist dabei das Fitting. Um hier die richtigen Größen für jeden Mitarbeiter zu finden, schicken wir unseren Kunden entweder einen Größensatz zum Probieren oder eine detailliert Anleitung mit Bildern, die zeigen, wie man sich richtig vermisst.

Gibt es darüber hinaus Services, die Sie anbieten?

Anna Vogt: Für Unternehmen wie die Telekom, Dow Chemical oder Škoda ist die Abwicklung im Fullservice extrem wichtig. Das geht weit über die Auslieferung der Corporate Fashion hinaus. Wir bieten z.B. eine Kommissionierung an, d.h. wir stellen für jeden Mitarbeiter Sets mit Hosen, Sakkos, Shirts und Hemden zusammen. Des Weiteren betreuen wir die Kunden auf Wunsch vor Ort mit einem Änderungsservice. Dort geben wir auch Trageempfehlungen an die Mitarbeiter heraus. Steckt man die Bluse in die Hose oder nicht, welche Schuhe passen zum Outfit usw. Natürlich sind auch Nachbestellungen von kleineren Mengen über einen kundeneigenen Onlineshop möglich, ebenso wie die Einlagerung der Mitarbeiterbekleidung.

Was ist bei Veredelungen gefragt?

Anna Vogt: Um auch hier einen hohen Qualitätsstandard gewährleisten zu können, veredeln wir unsere Branded Fashion inhouse – mittels Textildruck, Textilstick sowie Stofffärbungen in Pantonefarben. Für die Bayer-Tochter Covestro mit ihrer farbenfrohen CI haben wir z.B. Chinos in allen möglichen Pantonefarben produziert. Dank moderner Technologien können wir jeden individuellen Wunsch erfüllen, darunter aufwendige Flexfoliendrucke, die eine sehr facettenreiche Darstellung des Brandings ermöglichen, und farbbrillante griffneutrale Discharge-Textildrucke.

telekom cebit 2016 kollektion2 - „Corporate Fashion macht Marke“
telekom MWC 2016 led - „Corporate Fashion macht Marke“
Für den Telekom-Auftritt auf der Cebit und dem Mobile World Congress entwickelte Sergeant Pepper modische Maßanfertigungen für das Messepersonal

Überwiegt bei der Individualisierung das dezente Branding, oder mögen es Unternehmen plakativ?

Anna Vogt: Das kommt sehr stark auf den Kunden an und geht Hand in Hand mit der jeweiligen Zielsetzung. Wenn wir z.B. für Škoda eine Kollektion für die Tour de France entwickeln, dann fällt das Logo recht plakativ aus, weil sich der Autohersteller natürlich als Sponsor präsentieren will. Auch bei einem Kunden wie Coca-Cola ist es fast schon Pflicht, mit dem Logo zu spielen und es auch groß und prominent zu platzieren. Bei anderen Kunden ist die Veredelung dagegen eher ein sogenanntes Hidden Detail.

Worum handelt es sich bei solchen Details?

Anna Vogt: Hidden Details sind ein kleiner, aber feiner Blickfang, z.B. Webetiketten mit Kundenlogo oder schlichte Einsätze in der CI-Farbe, die am Hemd-, T-Shirt- oder Ärmelsaum eines Sakkos herausblitzen. Ein Hidden Detail kann auch eine Linienführung in einem Schnittteil sein sowie ein Riegel – eine etwas verdickte Naht – in CI-Farbe an einem Kleidungsstück, z.B. einer Hosen- oder Brusttasche.

Wie umfangreich wird Corporate Wear in der Praxis gedacht und umgesetzt? Reicht das bis hin zu Accessoires?

Anna Vogt: Viele Kunden haben inzwischen erkannt, dass gute Corporate Fashion einen Mehrwert generiert. Häufig starten wir mit einer Basiskollektion, die dann peu à peu im Baukastensystem durch weitere Artikel ergänzt wird. Z.B. spielen Schuhe eine immer wichtigere Rolle, da sie jedes Outfit abrunden und sich zudem in allen Pantonefarben umsetzen lassen. Ebenso sind Einstecktücher, Krawatten und Gürtel in der entsprechenden CI-Farbe ein schöner Blickfang.

Was sind momentan die prägenden Trends, die Ihre Arbeit bestimmen?

Anna Vogt: Bei den Materialien und Schnitten orientiert sich Corporate Fashion ein wenig zeitversetzt an der aktuellen Mode. Generell steigt der Anspruch an die Stoffe: Das Material an sich muss heute viele Funktionen mitbringen und dabei ein angenehmes und natürliches Tragefühl bieten. Wurden z.B. Hemdstoffe lange Zeit mit Chemie bearbeitet, um knitterfrei zu sein, ist das Qualitätsmerkmal heute bereits im Gewebe angelegt – und bleibt damit dauerhaft auch nach vielen Wäschen erhalten. Auch der Nachhaltigkeitsgedanke rückt stärker in den Fokus: Unternehmen wollen nicht nur bedarfsgerecht produzieren lassen, auch die Nachfrage nach fair produzierter Mode steigt. Und ein weiterer wichtiger Trend ist der Kollektionsgedanke: Kunden legen verstärkt Wert darauf, wie sich Kleidungsstücke miteinander kombinieren lassen. Das gilt sowohl für Materialmischungen, z.B. ein klassisches Anzugoberteil zu einer Hose mit Salz-Pfeffer-Muster, als auch für Farben. Hinzu kommt, dass die Mitarbeiterkollektionen allen Figurtypen schmeicheln sollen. Deshalb geht man zunehmend dazu über, ganze Kollektionen mit Hemden, Longsleeves, Röcken, Hosen etc. zu entwickeln. So kann jeder Mitarbeiter selbst wählen, womit er sich wohlfühlt und glücklich ist. 

// Mit Anna Vogt sprach Andrea Bothe.

 

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