Im Grabe würde er sich rumdrehen, Schopenhauer, der alte Frauenhasser, wenn er erführe, dass er hier in einem Satz mit den Schmannewitzer Heidelerchen, besser bekannt als Jacob Sisters, genannt wird. Und doch muss es sein! Da geht es Frida Kahlo nicht besser, die muss in einen Satz mit Michael Jackson, während Mike Tyson das Schicksal von Siegfried & Roy und Audrey Hepburn das von Rudolf Moshammer teilt. Wozu das Ganze? Um einen repräsentativen Querschnitt abzubilden, genauer: Tierfreund und -halter, Herrchen und Frauchen in all ihren Facetten. Eine Zielgruppe, die über die Wahl ihres Haustieres einiges von sich preisgibt und doch sehr vielfältig ist. Tierisch gute Chancen für werbende Unternehmen – vorausgesetzt sie wissen, wo der Hund begraben liegt.

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 „Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos“, hat Loriot einmal gesagt. Und genau so ging es Arthur Schopenhauer, nicht mit dem Mops, aber mit dem Pudel. Zeit seines Lebens hielt sich der deutsche Philosoph einen solchen. Der Pudel war immer schwarz und hieß immer Atman, was für Lebenshauch/Atem steht. Außer Schopenhauer ärgerte sich über ihn, dann nannte er ihn „Mensch“, um ihn gleich darauf wieder zu adeln: „Wer nie einen Hund gehabt hat, weiß nicht, was lieben und geliebt werden heißt.“ Wie auch bei den weißen Pendants der Jacob Sisters war es natürlich nicht immer derselbe Pudel, so alt werden die ja nicht, sondern etwa alle zehn Jahre ein neuer. Primat statt Pudel sagte sich hingegen die mexikanische Malerin Frida Kahlo und der King of Pop und holten sich einen Affen ins Haus. Gut, jeder, wie er mag und kann …
Gefährlich wird es nur, davon kann insbesondere Roy ein Lied singen, wenn man sich einen oder mehrere weiße Königstiger hält. Auch Boxlegende Mike Tyson wurde das dann irgendwann zu aufregend. Der züchtet jetzt Brieftauben, was ihn nach eigener Aussage beruhigt, und beißt keinem mehr ins Ohr. Bleibt noch zu klären, was Audrey Hepburn und Mosi gemeinsam hatten? Genau: den Yorkshire-Terrier. Was uns das sagen will? Von der Wahl des Tieres pauschal Rückschlüsse auf Herrchen und Frauchen zu ziehen, scheint an dieser Stelle verfrüht. Daher genug jetzt erstmal von prominenten Tierhaltern, kommen wir zu Otto Normaltierfreund von nebenan.

Ein Herz für Tiere

Acht von zehn Deutschen bezeichnen sich selbst als „sehr tierlieb“. Das geht aus einer von der Apotheken Umschau in Auftrag gegebenen Umfrage aus dem Jahr 2009 hervor. Gut 72% der Befragten betonen zudem, dass Deutschland ein tierfreundliches Land sei. Beste Voraussetzungen also für Hund, Katze, Maus, die denn auch in Scharen deutsche Haushalte bevölkern. Lieblingstier der Bundesbürger ist nach einer repräsentativen Haushaltsbefragung vom Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe Deutschland die Katze: 12,3 Mio. Exemplare leben in deutschsprachigen Haushalten, gefolgt von 7,4 Mio. Hunden. Da jeder dritte Haushalt ein Haustier beherbergt, macht das insgesamt 31 Mio. Katzen, Hunde, Kleinsäuger und Ziervögel. Weitere 4,9 Mio. Aquarien und Gartenteiche mit Zierfischen sowie 800.000 Terrarien, vornehmlich mit Schlangen und Eidechsen, machen die Arche voll. Doch geht es hier weniger um Arterhaltung, sondern vielmehr um das Well-Being des Tierhalters.

Tier statt Therapie

91% der Bundesbürger sind nämlich der Meinung, dass Haustiere in persönlichen Krisensituationen wie Scheidung, Jobverlust oder Krankheit seelische Unterstützung leisten können. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts TheConsumerView (TCV) hervor. Eine Forschungsgruppe hat zudem die Stressminderung bei Kindern durch die aktive Beschäftigung mit Hunden nachgewiesen. Dabei führe das „Kuschelhormon“ Oxytocin dazu, dass Stresssituationen als weniger belastend empfunden werden. „Menschen lernen über das glückliche Leben mit Tieren soziale Verantwortung und Einfühlungsvermögen. Die Heimtierhaltung fördert einen respektvollen Umgang mit Tieren, mit Natur und erwiesenermaßen auch mit Menschen“, sagt Norbert Holthenrich, Präsident des Zentralverbands Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands e.V. (ZZF). Immer häufiger werden so gerade Hunde und Katzen zu vollwertigen Familienmitgliedern, zu Seelentröstern, Partner- und Kinderersatz, Fitnesstrainern und – Schimpf und Schande über Paris Hilton & Co. – manchmal leider auch zu Mode-Accessoires. Doch warum kommt der eine auf den Hund und ein anderer auf die Katz?

„Wie der Herr, so’s Gescherr“

Einer allgemeinen Annahme zufolge färben tierische Seele und Menschenseele aufeinander ab. So sollen Hundetypen generell besonders aktiv sein, Katzenfreunde genießerisch und Aquarium-Besitzer extravagant. Der „Hundemensch“ gilt als extrovertiert, gesellig und unkompliziert, während „Katzenmenschen“ eher Individualisten sind, die sich in Zurückhaltung üben und auf ihrer persönlichen Freiheit und Unabhängigkeit bestehen. Sie reagieren allergisch auf jede Form allzu enger Bindung, während sich Hundemenschen nur zu gerne in Beschlag nehmen lassen. Dr. Silke Wechsung, Psychologin an der Uni Bonn, unterscheidet drei Typen von Hundehaltern. Demnach gehören 43% zu den „naturverbundenen und sozialen Hundehaltern“, 22% sind „prestigeorientierte, vermenschlichende Hundehalter“ und 35% sind „stark auf den Hund fixierte, emotional gebundene Hundehalter“. Eine Studie des Verbands für das deutsche Hundewesen nimmt den Hundehalter noch genauer unter die Lupe: Terrier-Besitzer stehen demnach als „Moderne Performer“ gerne im Rampenlicht und lieben es, sich mit ihrem Vierbeiner in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Pudel- und Dackelbesitzer gelten als traditionsbewusst, Schäferhundfreunde als konservativ und Retriever- oder Labrador-Fans stehen mit beiden Beinen im Leben.
Elisabeth Krause vom Verband der deutschen Tierpsychologen fasst zusammen: „Hundebesitzer sind sehr ordentliche Menschen, schließlich müssen sie ihre Tiere auch mit viel Konsequenz erziehen. Katzenbesitzer haben zwar auch eine sehr innige Beziehung zu ihrem Tier, gehen aber etwas gelassener mit ihm um. Reptilien und Spinnen sind eher Männerhaustiere. Das sind genau die Tiere, bei denen vielen Frauen ein Schauer über den Rücken läuft. Für den Mann ist aber genau das der besondere Kick, denn hier lauert der Reiz des Gefährlichen, Verbotenen und Besonderen.“ Was alle Tierbesitzer dann wieder eint, ist ihre Konsumfreude.

Nehmen und geben

Ob Spinne oder Spaniel, Katze oder Kanarienvogel, Seelentröster oder Sparringpartner, Kind- oder Partnerersatz – dankbar für alles, was ihnen ihr Tier gibt, wollen Tierfreunde auch etwas zurückgeben. Schließlich sollen Fiffi & Co. wissen, dass man sie liebt und sich pudelwohl fühlen. Nach Angaben des Marktforschungsinstituts Euromonitor erreichte der weltweite Markt für Heimtierbedarf in 2011 ein Umsatzvolumen von rund 67 Mrd. Euro. Davon setzte die europäische Heimtierbranche 24,6 Mrd. Euro um, der deutsche Heimtiermarkt 3,7 Mrd. Euro. Laut Marktforschungsinstitut Symphony IRI entfielen 2,8 Mrd. Euro davon auf den Bereich Heimtiernahrung, laut Industrieverband Heimtierbedarf 916 Mio. Euro auf Zubehör wie Gehege, Betten und Spielzeug. Die Zahlen zeigen, dass wir es bei den Tierfreunden mit einer recht zahlungskräftigen Zielgruppe zu tun haben, und einer krisenfesten noch dazu, denn: „Tendenziell fragen Tierfreunde auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten nach einer zuverlässigen Produktqualität für ihre Lieblinge“, so Holthenrich.

Tierisch sympathisch

Wer Herrchen und Frauchen in den Fokus seiner Marketingaktivitäten rückt, dem bietet sich ein breites Spektrum an Werbeartikeln, mit denen sich buchstäblich tierische Sympathiepunkte sammeln lassen. So sorgen Sicherheitswesten, reflektierende Halsbänder und Gassibeutel unterwegs für Sicherheit und Sauberkeit, während der Tierfreund ohne Anhang seiner Tierliebe per Plüsch, Schlüsselanhänger oder Dekoartikel Ausdruck verleiht. Mäuse-Fruchtgummis erfreuen alle Naschkatzen, Glitzersticker als Onpack insbesondere Leserinnen der Pferdezeitschrift Wendy und Schreibgeräte im tierischen Design Schulkinder. Lefzenschonende Wurfscheiben halten Herr und Hund gleichermaßen auf Trab, während die Kombination von Fress- und Trinknapf auf Reisen immer dabei ist. Wer sich im Rahmen einer nachhaltigen Unternehmenspolitik und Imagepflege positionieren möchte, kann sich zudem als Unterstützer des Welttierschutztages (4. Oktober) profilieren, wenn Tierschützer auf aktuelle Themen des Tierschutzes hinweisen und Menschen zu einer respektvollen und artgerechten Behandlung der Tiere aufrufen. Auch Tierschutzorganisationen wie der Deutsche Tierschutzbund, PETA, das Tierhilfswerk oder der WWF setzen auf gegenständliche Werbeträger wie Pins, Buttons und Anstecknadeln, um Spenden bzw. Mitglieder zu generieren.
Da nur knapp zwei von zehn Deutschen Hund, Katze, Maus & Co. nach eigener Aussage nicht sonderlich mögen, haben wir es hier mit einer tierisch großen Zielgruppe zu tun, die eigentlich ganz pflegeleicht ist – von ein paar ganz speziellen Kandidaten – siehe oben – mal abgesehen.

//Julia Kuschmann

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